Im Namen der Aufklärung
Frankreich erinnert sich im Karikaturenstreit an Voltaire und seine Tragödie "Mahomet"
"Für Frankreich geht es jetzt ans Eingemachte" schreibt Tilman Krause in der WELT vom 3. Februar 2006
aus Anlaß der Entlassung des Chefredakteurs von "France Soir" durch den muslimischen Eigner der Zeitung. Das Vergehen des Chefredakteurs: Er war der Dokumentationspflicht eines Presseorgans im liberalen Rechtsstaat nachgekommen und hatte die 12 dänischen Karikaturen veröffentlicht. Diese Entlassung werde "mit Recht als ein Schlag ins Gesicht der französischen Identität betrachtet".
In Frankreich denkt man bei solchen Ereignissen sofort an Voltaires berühmte Tragödie "Mahomet" von 1740, die bis heute als ein Schlüsseltext der europäischen Aufklärung gilt. Es war übrigens Goethe, der das gegen jeglichen religiösen Fanatismus sich richtende Stück 1802 ins Deutsche übersetzte.
Voltaire hat sich insbesondere mit Friedrich dem Großen über sein Stück ausgetauscht. In seinem berühmten Brief an den Preußenkönig vom Dezember 1740 läßt er sich einerseits über den religiösen Fanatismus allgemein aus, im Kern aber "ist das Stück natürlich doch eine Auseinandersetzung mit dem sehr speziellen Fanatismus muslimischer Prägung. Was Voltaire von Mohammed hielt, den er aus der Biographie Boulainvilliers kannte sowie aus einer englischen Übersetzung des Korans, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:
"Ich gebe zu, daß wir ihn hochachten müßten, wenn er, als legitimer Herrscher geboren oder mit Zustimmung der Seinen an die Macht gelangt, Gesetze des Friedens erlassen hätte. Doch daß ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, daß er mit ein paar Koreischiten (Stammesbrüdern, d. Red.) seine Brüder glauben machen will, daß er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; daß er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben läßt, daß er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, daß er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, daß er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben läßt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke in die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat in ihm jedes natürliche Licht erstickt."
Mohammed, der obskure Kamelhändler, auf dessen religiöse Lehren nur geistig minderbemittelte Türken hereinfallen, das war natürlich auch für die Zeit Friedrichs des Großen und Ludwigs XV. starker Tobak, den wir heute differenzierter sehen. Aber in seiner Diagnostik der psychologischen Grundvoraussetzungen für Mohammeds großen Erfolg erwies sich der französische Aufklärer denn doch von einiger Weitsicht."
WELT-Leserbriefe zu dem Karikaturenstreit
Und hier noch eine kritische muslimische Stimme im Tagesspiegel vom 03.02.2006:
Entgegen dem aufgeputschten Trend zur Ablehnung der Mohammed-Karikaturen, schreibt ein muslimischer deutscher Student iranischer Herkunft:
"Während wir Muslime stets Gleichberechtigung verlangen und dem Westen Doppelmoral vorwerfen, verwandeln wir uns immer mehr selbst zu Faschisten, die für sich Sonderrechte an jeder Ecke verlangen. Wenn in Europa Karikaturen über den christlichen Propheten Jesus möglich sind, sind sie auch über den muslimischen Propheten Mohammed erlaubt. Aus welchen Gründen sollten wir eine spezielle Behandlung bekommen; ist denn unser Blut roter als das der anderen?"
"Für Frankreich geht es jetzt ans Eingemachte" schreibt Tilman Krause in der WELT vom 3. Februar 2006
aus Anlaß der Entlassung des Chefredakteurs von "France Soir" durch den muslimischen Eigner der Zeitung. Das Vergehen des Chefredakteurs: Er war der Dokumentationspflicht eines Presseorgans im liberalen Rechtsstaat nachgekommen und hatte die 12 dänischen Karikaturen veröffentlicht. Diese Entlassung werde "mit Recht als ein Schlag ins Gesicht der französischen Identität betrachtet".
In Frankreich denkt man bei solchen Ereignissen sofort an Voltaires berühmte Tragödie "Mahomet" von 1740, die bis heute als ein Schlüsseltext der europäischen Aufklärung gilt. Es war übrigens Goethe, der das gegen jeglichen religiösen Fanatismus sich richtende Stück 1802 ins Deutsche übersetzte.
Voltaire hat sich insbesondere mit Friedrich dem Großen über sein Stück ausgetauscht. In seinem berühmten Brief an den Preußenkönig vom Dezember 1740 läßt er sich einerseits über den religiösen Fanatismus allgemein aus, im Kern aber "ist das Stück natürlich doch eine Auseinandersetzung mit dem sehr speziellen Fanatismus muslimischer Prägung. Was Voltaire von Mohammed hielt, den er aus der Biographie Boulainvilliers kannte sowie aus einer englischen Übersetzung des Korans, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:
"Ich gebe zu, daß wir ihn hochachten müßten, wenn er, als legitimer Herrscher geboren oder mit Zustimmung der Seinen an die Macht gelangt, Gesetze des Friedens erlassen hätte. Doch daß ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, daß er mit ein paar Koreischiten (Stammesbrüdern, d. Red.) seine Brüder glauben machen will, daß er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; daß er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben läßt, daß er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, daß er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, daß er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben läßt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke in die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat in ihm jedes natürliche Licht erstickt."
Mohammed, der obskure Kamelhändler, auf dessen religiöse Lehren nur geistig minderbemittelte Türken hereinfallen, das war natürlich auch für die Zeit Friedrichs des Großen und Ludwigs XV. starker Tobak, den wir heute differenzierter sehen. Aber in seiner Diagnostik der psychologischen Grundvoraussetzungen für Mohammeds großen Erfolg erwies sich der französische Aufklärer denn doch von einiger Weitsicht."
WELT-Leserbriefe zu dem Karikaturenstreit
Und hier noch eine kritische muslimische Stimme im Tagesspiegel vom 03.02.2006:
Entgegen dem aufgeputschten Trend zur Ablehnung der Mohammed-Karikaturen, schreibt ein muslimischer deutscher Student iranischer Herkunft:
"Während wir Muslime stets Gleichberechtigung verlangen und dem Westen Doppelmoral vorwerfen, verwandeln wir uns immer mehr selbst zu Faschisten, die für sich Sonderrechte an jeder Ecke verlangen. Wenn in Europa Karikaturen über den christlichen Propheten Jesus möglich sind, sind sie auch über den muslimischen Propheten Mohammed erlaubt. Aus welchen Gründen sollten wir eine spezielle Behandlung bekommen; ist denn unser Blut roter als das der anderen?"

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