Schüler machen ihre eigene Erfahrung mit Islamisten
... und der Klassenlehrer verläßt den Raum............
Hamburger Abendblatt 3.12.05
http://www.abendblatt.de/daten/2005/12/03/509727.html
Klassenbesuch eines Hodschas
Schüler machen Zeitung
Unser Thema "Zunehmende Vorurteile gegen den Islam" hatte uns bisher in
sechs Moscheen geführt, in denen sehr unterschiedlich auf uns und unsere
Fragen reagiert wurde. Einige Hodschas (islamische, geistliche Lehrer)
hatten sich bereit erklärt, in die Schule zu kommen, um sich der ganzen
Klasse zu stellen.
Am 1. November war ein Hodscha von der Moschee in der Lutterothstraße
bei uns zu Besuch. Wir saßen gespannt mit einem Sack voller Fragen, die
wir vorher erarbeitet hatten, auf unseren Stühlen und sahen uns einem
ernsthaften, dunkel gekleideten Mann mit schwarzem Vollbart und
skeptischer Miene gegenüber. Sein Dolmetscher dagegen wirkte
aufgeschlossen und moderner.
Nachdem wir schon einige Interviews in Moscheen geführt hatten, waren wir
an einigen Antworten besonders interessiert. Melika war besonders an der
Geschlechtertrennung beim Gebet in der Moschee interessiert und brachte
unseren Besuch damit gleich in Verlegenheit. Auf dessen Antwort: " Sündige
Gedanken des Mannes sollten vermieden werden", meinte sie, auch Frauen
kämen beim Anblick gutaussehender Männer auf sündige Gedanken. Das
mochte der Hodscha als Thema nicht weiter behandeln.
Um weiteren Fragen auszuweichen, hielt er einen ewig langen, durch die
Übersetzung sogar doppelt langen Vortrag über frommes Leben, die Rolle
von Frau und Mann und die im Islam verwirklichte Gleichberechtigung.
Wir konnten es nicht mehr aushalten und fragten jetzt dazwischen. Fatih
wollte etwas über den Zusammenhang von Islam und Terrorismus wissen
und ob Moscheen Treffpunkte von Terroristen seien. Die empörte Antwort
des Hodschas konnte man sich vorstellen.
Erneut waren wir Opfer eines langen Monologs, der allerdings mit dem
interessanten Hinweis endete, daß ein wahrer Moslem sich bei einem Angriff
auf seine Religion verteidigen würde - wenn nötig auch mit Gewalt. Er
würde selbst fühlen, wann ein Angriff drohe. Und manchmal müsse man
eben schon vor dem drohenden Angriff beginnen, sich zu verteidigen.
Irgendwie guckte der Hodscha zum Schluß noch finsterer als zu Anfang. So
waren wir froh, als die Pausenglocke schlug und unser Klassenlehrer wieder
zurückkam.
Wir hatten hundert Fragen vorbereitet und Antwort auf gerade mal vier
bekommen. Und wir hatten alle hinterher ein komisches Gefühl.
Sevinc Calik, Olivia Mielke, Anthony Grinschgl, Lydia Mick, Melika Dabestani,
R 9 Schule Königstraße
erschienen am 3. Dezember 2005

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